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Alle Einträge vom März 2015.


erzählerisches Rollenspiel

verfasst 25.03.2015 20:01 in Pen & Paper
In der letzten Zeit bemerke ich zunehmend, wie in unserer Gegend eine Konsolidierung des Rollenspiels statt findet. Ich hatte einige Gespräche, die mich darin nur bestärken.
Was heißt das? Ganz einfach: es wird mehr Mainstream gespielt und nachgefragt, vor allem DSA und Shadowrun, die beiden #1 Systeme auf dem deutschen Markt. Dazu hat auch die Probierfreudigkeit in Sachen Settings und Spielweisen jenseits des 0815 Krams deutlich abgenommen. Und wahnsinnig viele Leute bilden einen stärkeren Hand zum konsumorientierten Spielen aus (soll heißen: wollen sich berieseln lassen statt aktiv zu werden).
Dabei fällt mir vor allem auf, daß jede Menge Irrtümer und Vorurteile über andere Arten zu spielen vorherrschen. Und das war vor wenigen Jahren schon mal ganz anders. Mit den Vorurteilen möchte ich aber zumindest versuchen, mal etwas aufzuräumen.

Ein Vorurteil ist beispielsweise, daß Spieler, die aktiv am Geschehen mitwirken, leicht den Plot sprengen. Doch meine Erfahrung im Umgang mit Wushu hat mich gelehrt, daß dies mitnichten so ist. Das Problem dabei ist meist eher, eine sehr streng gefasster vorgeplanter Plot und ein SL der davon nicht oder nur schwer loslassen will.
Der Witz dabei ist, daß wir alle kulturell geprägt recht ähnliche Vorstellungen haben, was wir als spannend betrachten und was nicht. Wenn man also das, was andere ins Spiel einbringen, als genauso wertvoll akzeptieren wie den eigenen Kram (oder gar noch als wertvoller, weil man so eben nicht im eigenen Saft schmoren bleibt), dann wird sich etwas entwickeln, was keiner geplant hat. Dennoch wird sich eine interessante Story ergeben wegen der kulturellen Prägung. Und der Plot entsteht erst am Spieltisch und kann daher nicht gesprengt werden.
Nur wenn die Vorstellung der Beteiligten auseinander läuft, braucht es ein Maß, um die Deutungshoheit der eingebrachten Inhalte zu bestimmen. Wenn ein Spieler A sagt und der andere B und das über die selbe Sache, wer hat dann Recht? Instinktiv gilt bei den Meisten: wenn es den gespielten Charakter von jemandem betrifft, hat der gewöhnlich das Sagen. Wenn nicht, dann entscheidet der Spielleiter. Wushu bietet noch eine progressivere Lösung an: Jeder erzählt so viel und so ausgiebig er will und wenn jemand Schwierigkeiten mit einer Erklärung hat, dann wirft man ein Veto ein und redet einfach mal miteinander um eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind. Rollenspiel ist schließlich ein kommunikatives Hobby.

Aber wenn man als SL den Plot nicht stringent vorplanen kann, wie kommt man dann überhaupt zu einer Spielhandlung? Nun, zum einen kann man durchaus vorplanen. Man sollte dabei nur offen genug bleiben und Platz einräumen für alternative Handlung.
Allerdings muß man die Handlung gar nicht planen. Fiasco beispielweise setzt an den Anfang einer Runde ein gemeinsames Erschaffen der Personenkonstellationen (auch Beziehungsnet bzw C-Web genannt) zueinander, während man die Charaktere erschafft. Auch Dogs in the Vineyard benutzt Beziehungsnetze, allerdings werden die vom SL vorher ausgearbeitet und die SC mit einer Motivation versorgt, auf das Netz einzuwirken.
Beziehungsnetze funktionieren hauptsächlich darüber, daß sie mit Konflikten aufgeladen sind. Handlung entsteht aus dem Bestreben der beteiligten Personen, die Konflikte im Sinne der jeweils eigenen Motivationen aufzulösen. Mein neuestes Spiel, Hillfolk, veranschaulicht das: Jede Beziehung ist davon bestimmt, daß ein Charakter von dem anderen etwas will, was für ihn Bedeutung hat. Der andere hat aber eine Motivation, dies nicht direkt zuzugestehen (gewöhnlich weil der eigene Ziele und Wünsche im Gegenzug hat). Dieses Prinzip von Bittsteller und Stattgeber (Petitioner & Granter - hier vom System-Matters Podcast beispielhaft beschrieben), sorgt dafür, daß Szenen zwischen handelnden Charakteren eine Bedeutung für sie haben und ihre Figuren Stück um Stück weiterentwickeln.
Und je mehr solche Beziehungsverknüpfungen eine Figur hat, desto stärker ist der Antrieb, der sich ergibt. Handlung entsteht dabei im Vorbeigehen wie von selbst, weil jeder Spieler ein Interesse hat, die eigene Figur in den eigenen Zielen weiterzubringen und dafür die anderen eben braucht.

Ein weiterer Irrtum ist, daß Erzählspieler sich über Spielregeln hinwegsetzen oder sie weitgehend ignorieren. Bei Robin D. Laws Spielertypen ist das sogar als eins der typischen Kriterien für einen Storyteller aufgeführt.
Dies liegt hauptsächlich daran, daß klassische Rollenspiele nahezu vollständig darauf ausgelegt sind, kleinteilige Einzelaufgaben zu reglementieren (man spricht hier von Task Resolution). Und dabei geht es immer darum, zu ermitteln, ob eine bestimmte Handlung klappt oder nicht.
Für eine Erzählung ist aber dieser Erfolg/Misserfolg oft gar nicht sonderlich relevant. Es geht meist eher darum Schwierigkeiten zu überwinden. Und das selten auf dem Weg zu statischen Zielen. Es sind die Konflikte zwischen den handelnden Figuren, auf die es ankommt. In klassischen Geschichten muß der Protagonist (oder auch eine Gruppe davon) den Antagonisten besiegen.
Die prozeduralen Regeln der meisten Rollenspiele können dies nicht oder nur sehr schlecht abbilden (und mal ehrlich: Regeln für soziale Konflikte sind oft nichtmal vorhanden. Man vergleiche das mal mit den Auswalzungen von Kampfsystemen). Dementsprechend sind sie für Erzählspieler einfach nicht interessant. Dennoch gibt es Regeln. Man muß sich nur mal meine Beispiele oben anschauen um das zu erkennen.
Allerdings haben Spielregeln für Storygamer eher den Charakter genereller Prinzipien (Veto-Recht, Prinzip der erzählerischen Wahrheit ect) und dienen oft dazu, das Miteinander am Spieltisch (wessen Erzählung hat jetzt gerade Recht, wer ist jetzt "dran") zu steuern. Und dazu gehören eben auch all die ungeschriebenen Regelungen, die jede klassische Spielrunde eben auch hat.

Ich bau mir einen Zinnenhut

verfasst 13.03.2015 09:08 in LARP
Ich wurde gebeten, doch mal eine Bastelanleitung zu meinem neuen Hut zu machen. Gemeint ist damit ein Zinnenhut, wie er im Codex Manesse auf wirklich vielen Abbildungen zu sehen ist.
Natürlich ist der Hut längst fertig und ich erstelle dies hier im Nachhinein, also gibts wenig work-in-progress Bilder. Und wie immer bei Bastelanleitungen gilt die Empfehlung: erst lesen, dann eigene Gedanken dazu machen, dann erst Schritte zur eigenen Umsetzung machen.

Was braucht man
  • Stoff fürs Käppchen (bei mir Wolltuch aus der Restekiste vom Gewand) - 6 Stücke ca 15x15cm
  • Futterstoff (hab Leinen verwendet, ebenfalls aus der Restekiste) - Menge wie beim Oberstoff
  • Filzplatten (fester Wollfilz, 3-5mm stark) - 8 Flächen ca 10x15cm
  • Material für Verzierungen

Schritt 1: Ausmessen
Zwei Maße werden benötigt. Zum einen der Kopfumfang, zum anderen aber auch eines für die richtige Höhe. Und da ich geplant habe, das Ding über einer Bundhaube zu tragen, habe ich die Messungen natürlich auch mit Bundhaube gamacht.
Der Umfang ist nun recht einfach zu messen. Einmal um die Stirn oberhabl der Ohren das Maßband anlegen und gut. Bei der Höhe ist das schon schwieriger. Wenn ich von einem Ohr über den Scheitel zum anderen Ohr messe, bekomme ich nämlich ein anderes Maß als wenn ich die Messung von der Stirn zum Hinterkopf mache. Unsere Köpfe sind nämlich eher Eierförmig als rund. Ich habs mir einfach gemacht und das Mittelmaß dazwischen genommen.

Schritt 2: Das Käppchen
Je nach Perspektive sieht man auf manchen Abbildungen eine Innenkappe. Die hat auch eine klare Funktion. Sie dient als Träger für diese archetypische Krempe und gibt Halt auf dem Kopf. Sie verhindert, daß einem das Ganze über die Ohren rutscht.
Was man braucht sind Dreiecke. Und zwar mit abgerundeten Seiten. Am besten geht das mit Scherenschnitt-Technik. Man nimmt sich ein Stück Papier, zeichne mitten drauf das halbe Höhenmaß (blaue Linie auf der Skizze). Dann unten im Rechten Winkel 1/12tel des Kopfumfanges (wenn man, wie ich das Käppchen aus 6 Teilflächen aufbaut) anzeichnen. Entlang der blauen Linie falten und eine geschwungene Linie zeichnen (die schwarze Line in der Skizze). Dann entlang der Roten und schwarzen Line ausschneiden und fertig ist das Muster.
Das Muster insgesamt 6 Mal auf den Stoff übertragen (plus Nahtzugabe, nicht vergessen) und ausschneiden. Und auf dem Futterstoff auch nochmal. Dann kann man die Flächen an der schwarzen Linie zusammennähen. Und zum Schluss setzt man noch Futter und Obermaterial aneinander und näht beides an der roten Linie zusammen.
Zum Schluss kann man noch nen Knubbel in der Art von Stoffknöpfen machen und den dann auf die Spitze setzen. Der ist rein dekorativ und kann im Zweifel ein bisschen verdecken, denn man die Nähte nicht ganz 100%ig zusammenlaufen hat. Man sieht diesen Knubbel auf manchen der Zeichnungen.

Schritt 3: die Krempe
Die Betrachtung der Bildvorlagen ließ mich zu dem Schluss kommen, daß wahrscheinlich 8 Teilflächen die Krempe bilden. Obendrein ist diese meist schräg nach außen gerichtet. Um das Umzusetzen brauchte ich ein steifes Material. (Oder ich hätte mit Stäbchen, Draht ect rumoperieren müssen - viel zu kompliziert)
Die Wahl fiel auf Filz. Allerdings muß man da aufpassen was man kauft: Das meiste was man an Filf zu kaufen bekommt ist Bastelfilz aus Polyester. Daneben gibts noch sehr unterschiedliche Stärken aber auch verschiedene Dichte. Filz von nur 1mm ist einfach nicht formstabil genug. Das gleiche gilt für sehr fluffige Filze. Für meine Bedürfnisse musste es Wollfilz sein.
Aus den Filzplatten schneidet man nun 8 Trapeze. Deren untere Kante entspricht 1/8tel (plus Nahtzugabe) des Kopfumfanges. Bei mir sind das 11cm. Wer nen Dicken Kopf hat oder die Krempe stärker ausstellen will, braucht mehr. Bei ner schmalen Rübe eben weniger, aber abschneiden kann man immer noch.
Die Höhe der Trapeze ist etwas nach Daumen auf 10cm festgelegt. Ich habs abgeschätzt, indem ich mittels Papiermuster probiert habe, dis die Innenkappe bei geradem Blick noch ein kleines Stück über die Kante der Krempe oben hinausschaut.
Die Breite der oberen Kante bestimmt dann den Winkel. Bei mir sinds 15cm, also auf jeder Seite 2cm mehr als die untere Ecke. Ich hatte ursprünglich mehr (3cm an jeder Seite), hab aber in einem Feldtest mitbekommen, daß dann der Wind recht stark oben rein drückt.

An den Schrägen näht man nun die Kanten zusammen, so daß sie nach außen zeigen. Man sollte hierbei bedenken, daß das eine sehr sichtbare offene Naht ist. Also entweder ein hübsches Schrägband mit einplanen oder eine ansehnliche Ziernaht machen.
Zum Schluss setzt man die Krempe dann ans Käppchen an und näht alles zusammen. Normale überwendliche Stiche kommen da am Besten, weil da die Hutkante, die an der Stirn liegt wunderbar fest ausdefiniert wird.

Schritt 4: Verzierungen
Wenn man sich die Bildvorlagen anschaut, erkennt man daß die Flächen der Hutkrempe die selbe Gestaltung hat, die Fellbesetze an diversen Kleidungsstücken. Wahrscheinlich sind diese Hüte also mit Fell besetzt gewesen. Ich hab mich aus stilistischen Gründen (Ich verwende Fell nur in sehr seltenen Ausnahmefällen) für andere Verzierungen entschieden.
Applikationen einer meiner Wappensymbole (nur nicht zuuu groß) sowie Kordelband entlang der Kanten mit Zierstichen fixiert und Jadeperlen an den Spitzen runden das Bild ab.