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Warum ich den Begriff Meister nicht mag

verfasst 29.11.2010 18:21 in Pen & Paper
Eigentlich ist der Begriff "Meister" im Terminus der Rollenspielgemeinde stark verankert, nennt doch eines der wirklich großen und verbreiteten Spielsysteme seinen Spielleiter genau so.
Wie es dazu kam? Im englischen Sprachraum, in dem das Rollenspiel wie wir es heute kennen entstanden ist, wurde die Person am Kopfende des Tisches ursprünglich Dungeon Master genannt. Später wechselte der Begriff zum allgemeineren Game Master, weil man wohl nicht zwingend immer in Dungeons rumkriechen wollte. In der Übersetzung ins Deutsche wurde der Vorsatz einfach gestrichen (vielleicht aus dem selben Grund?) ganz abseits der Tatsache, daß die mMn beste Übertragung von Game Master wohl Spielleiter heißen müsste.
An sich gibts bis dahin noch keine Probleme. Aber wie das mit Begrifflichkeiten so ist, in einer anderen Sprache verknüpfen sich leicht alternative Assoziationen. Meister ihres Fachs, vergleichbar mit Handwerksmeistern, erkenne ich beispielweise in den wenigsten Spielleitern.
Wirklich haarig wird es, wenn man sich anschaut, wie sich manch einer gar als Herr und Meister, teilweise fast gottgleich, seiner Gruppe gegenüber präsentiert. Im besten Fall sorgt so etwas dafür, daß die Spieler eine Konsumhaltung entwickeln und anfangen sich berieseln zu lassen. In diesem Fall haben sie wenigstens Spaß an ihrer Runde (und das ist ja der Grund warum wir das eigentlich machen). Im Schlimmsten Falle werden Spieler einer solchen Runde mit Willkühr gegängelt, in der Entwicklung ihrer Figuren behindert und auf den berühmten Eisenbahnschienen durch den Plot gezogen.

Ich jedenfalls sehe mich als niemandes Herr und Meister, denn ich möchte daß meine Mitspieler mit mir gemeinsam den Plot entwickeln und voran treiben. Auch möchte ich nicht die Erwartungshaltung erzeugen, besonders meisterliche Handwerkskunst zu produzieren. Daher bevorzuge ich es, den allgemeinen und neutral formulierten Begriff Spielleiter zu benutzen.