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Schwertscheide bauen

verfasst 21.05.2012 19:40 in LARP
Heute beschreibe ich mal, wie ich meine Schwertscheiden baue. Das ist eine sehr, sehr einfache Technik, die mit wenig Materialkosten auskommt. Ein echtes Pro-Argument also, warum simple Gürtelschlaufen oder sonstige minimalistische Trageweisen unnötig sind.
Die hier beschriebene Technik gibt es im Netz noch an vielen weiteren Stellen beschrieben. Teil mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Tipps. Eine Suche nach den Stichworten Linothorax + Schwertscheide lohnt also.

Vorbereitungen:
Wie schon gesagt, das Ganze ist ziemlich einfach (nicht wesentlich anders als Pappmaché wie früher im Kindergarten). Man braucht nur wenig an Material und Werkzeug. Aber erst die gesamte Anleitung lesen und verstehen, dann erst Material kaufen und los legen. ;)

Material:
  • ca 1m Stoff (billigster Baumwoll Stoff ausm Ikea. evtl nimmt man auch Stoff, der in der Grundfarbe dem Endprodukt nahe kommt)
  • ca 750g Holzleim (ideal ist wasserfester - außer man will ein Stahlschwert einpacken)
  • Acrylfarbe in der Farbe, welche die Scheide letztlich haben soll (man kann alternativ auch mit Leder beziehen, dann entfällt die Farbe und man braucht dünnes Leder wie Polster-/Möbelleder statt dessen)
  • Paketband oder anderes Klebeband - möglichst breit
  • Zeitungspapier
  • optional: Filzmatte oder dicker Wollstoff (braucht man nur, wenn man ein Futter machen will. Bei Stahlwaffen ist das empfehlenswert. Bei Larpwaffen trägt das aber auf. Da diese Schwerter aschon von sich aus sehr dicke Klingen haben, wird die Schwertscheide mit sowas extrem dick.)

Werkzeug:
  • Pinsel (einfache Chinaborstenpinsel ausm Baumarkt)
  • Schere
  • Kreide, in einer Farbe, die man auf dem Stoff sehen kann (bei hellem Stoff tuts auch ein Bleistift)
  • Sandpapier oder ähnliches Schleifmittel
  • Cutter-Messer


Schritt 1: Einwickeln & Tapen
Zuerst wird das Schwert mit Zeitungspapier eingewickelt. Das Zeitungspapier fungiert als Platzhalter. Die Schwertscheide wird sich beim Trocknen leicht zusammen ziehen. Damit man hinterher das Schwert noch gut ziehen kann, bringt man so Spielraum ein. Wenn die Klinge sehr gerade verläuft (also vor dem Parier genauso dick ist wie kurz vor der Spitze) sollte man mehr Papier drauf tun (ca 10 Schichten) als bei einer Klinge die sich verjüngt (da reichen 3-4 Schichten locker).
In diesem Schritt ist es wichtig, irgendwelche Aussparungen und Kerbungen zu stopfen. Nirgends darf irgend ein Bereich der Klinge schmaler sein al alles was in Richtung Spitze noch kommt. Einfach kleinere Fetzen Papier zusammenknüllen und in solche Aussparungen stopfen.

Dabei auch das Parier, den Griff und den Knauf mit einwickeln. Das gesammte Schwert soll letztlich abgedeckt werden, auch wenn man natürlich im Griffbereich nur abdecken und nicht in vielen Schichten wickeln muß.

Nun wird, von der Spitze beginnend, alles mit Klebeband abgeklebt. Paketband oder ähnlich breites Zeug ist am Besten. Nur Kreppband geht nicht. Das Tape muß eine Kunststoff-Oberfläche haben, weil der Holzleim sich damit dann nicht verbindet.
Man sollte besonders darauf achten, daß keinerlei Öffnungen bleiben, durch die der Leim an das Zeitungspapier gelangen kann. Außerdem sollte man Falten im Tape gering halten. Insbesondere Quer verlaufende Rillen und Falten machen das Entfernen des Zeitung-Tape Polsters hinterher schwerer.







Auch hier wieder darauf achten, daß Parier und Griff usw komplett mit abgedeckt werden. Bei Kleben kommt es nämlich leicht dazu, daß Leim auf diesen Bereich läuft. Hat mans vorher abgedeckt, kommt das Schwert drunter nicht zu Schaden.












Schritt 2: Stoff zurecht machen
Wer ein Futter machen will, für den wäre jetzt der rechte Zeitpunkt (alle anderen überspringen diesen Teilabschnitt). Man nimmt das Futtermaterial und legt es Stoß an Stoß um die Klinge. Und zwar so, daß das Material anliegt (also nicht schlabbert) aber nicht zu straff sitzt (also noch Locker aufliegt). Es macht Sinn, mit ein paar ganz groben Stichen die Stöße aneinanderzunähen. Muß nicht vollständig und auch keineswegs formschön sein. Nur so, daß es selbstständig hält. Die Nahtstelle sollte dabei am Besten über dem Blatt der Klinge liegen, nicht über der Schneide.


Nun legt man das eingewickelte Schwert (Wer füttert, dann mit dem Futter) auf die Stoffbahn, und zeichnet an. Die Spitze bekommt dabei besonderes Augenmerk, denn sie wird abgewinkelt, wie im Bild zu sehen.













Die Breite sollte so bemessen sein, daß der Stoff etwa 1,5 Mal um das Schwert herumreicht. Die Stoffbahnen überlappen sich hier also. Das gibt zusätzlichen Halt, bedeutet aber auch zusätzliche Materialstärke am Ende.









Die Stoffstreifen werden nun in unregelmäßigem Abstand seitlich eingeschnitten. Einfach Freihand rein und gerne auch schief. Einschnitt tiefe sollte etwa ein Drittel der Breite (etwas mehr ist nicht schlimm) betragen.

Auf diese Weise sollte man etwa 6-8 solcher Streifen machen. Wer eine sehr biegsame Schwertscheide haben möchte macht nur etwa 4 und wer extrem hart bekommen möchte, der macht 10-12 Streifen oder sogar mehr.







Schritt 3: Kleben
Bevor man mit Kleben anfängt, sollte man sich ne Stelle suchen bzw zurechtmachen, wo man das Schwert dann nachher zum Trocknen aufhängen kann. Man kann Schlaufen um den Griff machen um daran dann an nem Haken festzubinden. Man kann, wenn das Schwert ein kräftiges Parier hat, auf einfach zwei Stangen nehmen auf die das Schwert dann auf dem Parier eingehangen wird. Wichtig ist, daß die Schwertscheide später frei hängen kann, ohne irgendwo direkt anzuliegen. Außerdem lohnt es sich, ne Dose oder Schale (irgendwas, das weg kann aber sich nicht voll saugt) unter die Aufhängung zu stellen. Die Scheide wird nämlich tropfen.
Außerdem empfehle ich, während des Klebens kurzärmelig zu tragen und ne Bastelschürze zu tragen. Man kleistert sich selbst (bzw seine Klamotten) nur zuu leicht ein und der Holzleim geht nie wieder vollständig aus dem Stoff rauszuwaschen. Aus dem gleichen Grund sollte man nicht über einem unabgedeckten Teppichboden arbeiten.

Nun heißt es Pinsel in Leim Tauchen und die Schwertklinge einpinseln, direkt auf das Tape drauf. Hat man ein Futter gemacht, wird dieses statt dessen eingekleistert. Man sollte immer nur dünn den Leim auftragen, sonst schwimmt die Ganze Sache stärker aufeinander und braucht obendrein länger zum durchtrocknen.











Da drauf wird nun die erste der Stoffbahnen mittig aufgelegt, so daß sie am Parier anliegt und an der Spitze. Den Stoff dabei in Längsrichtung schön straff ziehen und leicht (mit der Hand) andrücken.













Im Anschluss dreht man das Schwert (vorsichtig, damit der Stoff sich nicht gleich wieder ablöst), so daß die aufgelegte und angedrückte Stoffbahn unten "hängt". Nun fängt man an, vom Parier zur Spitze hin, die eingeschnittenen "Lappen" umzuklappen und mit dem Pinsel von der Kante hin zur Mitte glattzustreichen.

























Besonders "fummelig" ist das bei der Spitze. Dort ist auch besondere Sorgfalt gefordert, daß sich möglich keine (oder wenig) Leimblasen und Stoffalten ergeben. Dies ist gewöhnlich der schwierigste Bereich.

Die nächste Stoffbahn wird wieder genau so gemacht, nur daß sie dort aufgelegt wird, wo bei der vorhergehenden Schicht die Überlappungen waren. Dadurch wird das Ganze letztlich schön gleichmäßig.
Bitte immer darauf achten, daß Falten schön glatt gestrichen werden. Wenn sich mal ne Lücke bildet, dort wo man eingeschnitten hat, dann ist das nicht so schlimm. Das gleicht sich wieder aus. Aber Falten bleiben als Unebenheiten zurück, insbesondere wenn das in den oberen bzw. DER obersten Schicht passiert.

Das Prozedere wird nun wiederholt, bis alle Stoffbahnen drauf sind. Zum Schluss wird dann nochmal als oberstes alles eingeleimt. Früher habe ich alle Schichten in einem Ruck aufgeleimt und dann durchtrocknen lassen. Inzwischen weiß ich, daß es sehr viel sinnvoler ist, immer nur eine Schicht zu kleben und dann einen Tag trocknen lassen. Erst dann die nächste Schicht usw. Ob man alles auf einmal macht und dann ne Woche trocknet bevor man die Nacharbeiten beginnt oder ob man ne Woche lang jeden Tag nur eine Schicht klebt, macht keinen nennenswerten Unterschied. Aber das Trocknen geht dadurch insgesamt viel schneller.

(Man sieht hier recht deutlich, daß ich am Scheidenmund hier noch etwas zusätzlich angebaut habe. Nur im oberen Bereich ein paar zusätzliche Schichten um gezielt eine Verdickung zu schaffen. Die ist natürlich optional und dient in diesem Fall als spätere Hilfe um dem Schwertgurt nen Stopper zu ermöglichen. Es lohnt sich also, sein Projekt im Vorfeld komplett zu durchdenken. Auch im Hinblick, wie man seine Schwertscheide dann nachher tragen will.)

Und nun zum Trocknen aufhängen.




Schritt 4: Nachbearbeitung
Nach einem oder zwei Tagen sieht die Schwertscheide trocken aus. Der Kleber ist transparent geworden. ABER: das trügt. Im inneren ist das alles noch feucht.

Man kann aber bereits die Unebenheiten der obersten Schicht erkennen. Insbesondere dort wo die Überlappungen enden. Aber eben auch dort, wo man vorher unsauber gearbeitet hat (das passiert auch den Besten mitunter).




Auch wenn es jetzt noch deutlich zu früh ist, das Schwert aus der Scheide herauszuholen, kann man jetzt schon Nachbearbeitung betreiben. Man sollte z.B. alle Unebenheiten und Stöße schön plan schleifen.













Und dabei wieder besonders im schwierigen Bereich der Spitze nacharbeiten. Auch wenn man gut war, gibts hier fast immer Falten. Und die werden jetzt abgeschliffen. Je sorgfältiger man beim Kleben war, desto weniger hat man jetzt zu tun.












Ich selber schleife dabei meistens mit Dremel und Fächerschleifer bzw Fließfächerschleifer. Grobe Stellen kann man auch vorsichtig mit dem Cutter-Messer wegschnitzen.
Wenn man alles schön glatt geschmirgelt hat, streicht man nochmals alles mit dem Holzleim ein und läßt das Ganze dann wieder trocknen lassen. Man sollte bei diesem Trocknen darauf achten, daß sich keine Laufnasem im Leim bilden. Sollte das passieren, dann streicht man mit nassem Pinsel (wässrig-nass, nicht leim-nass) über die Stelle so daß sich die Nase verstreicht. Nach 1-2 Stunden ist die Oberfläche aber bereits angedickt genug, daß sich keine neuen Nasen bilden.
Spätestens nach der dritten oder vierten Wiederholung (bei denen man dann nicht mehr schleifen muß, außer man hat doch Laufnasen, die man übersehen hat) ist die Oberfläche dann glatt. Alle Rillen und Texturen vom Stoff sind überdeckt.

Man sollte der Schwertscheide im Insgesamten deutlich Zeit geben, bevor man das Schwert rauszieht. So 10 Tage bis 2 Wochen ist ein guter Wert. Länger kann man (insbesondere wenns eine sehr gerade, sich nicht verjüngende Klinge ist oder wenn man mehr Schichten geklebt hat), kürzer sollte man nicht. Auch nach zwei Wochen ist die Scheide im Inneren nicht durchgetrocknet. Sie ist dann nur fest genug, daß man nicht alles zerstört.
Das ziehen macht sich am Besten, wenn man das Tape und die Zeitung am Griff vorsichtig aufschneidet. Man muß nur etwas darauf achten, daß man nicht ins Schwert selber reichschneidet oder sticht. Und man sollte Längs schneiden und das Papier-Tape Zeug so intakt wie möglich lassen. Man kekommt so das Schwert aus dem Zeitungspapier gezogen, während dieses noch in der Scheide drin ist. Das überstehende Material, welches vorher am Griff war, braucht man um den Rest danach auch raus ziehen zu können.
Mitunter bekommt man die eingetapte Zeitung noch nicht gleich raus, weil der Leim innen eben noch zu nass ist. Man nimmt aber Druck raus, wenn das Schwert nicht mehr da ist. Und man kann dann mit nem langen flachen Stab (nicht grad aus Holz wegen dem Holzleim) zwischen das Tape und die Scheide zu gehen um beides besser zu trenne. Aber wenns noch nicht rausgeht, laß die Scheide einfach noch ein paar Tage länger trocken. Irgendwann gehts dann.

Sobald man Schwert, Papier und Tape aus der Schwertscheide raus hat, sollte man sich um den Scheidenmund kümmern. Mit nem Cutter Messer schneidet man die obere Kannte glatt. Dabei kann man auch Aussparungen die der Form des Schwerts entsprechen mit berücksichtigen.

Hauptsache man bekommt eine einheitliche glatte Schnittkante. Diese wird zunächst ebenfalls abgeschliffen. Besonders an den Ecken sollte entgratet werden. Dann greift man ein letztes Mal zum Leimpinsel und taucht nur die Pinselspitze in den Leim und tupft den dann auf die Kannte am Scheidenmund auf, so daß sich nach dem Trocknen hier wieder eine glatte Oberfläche bildet. Man sollte dabei darauf achten, daß kein Leim außen auf der Scheide oder innen runterläuft (notfalls sofort wegwischen).

Nach einem weiteren Tag Trocknen kann man jetzt die Schwertscheide bemalen. Zwei einfache Anstriche mit Acrylfarbe, schön in Längsrichtung gestrichen, reichen vollkommen aus. Auch auf dem Scheidenmund die Farbe nicht vergessen.

Nachdem die Farbe fertig ist, ist die Schwertscheide an sich fertig. ABER: bis der Leim tief im Inneren durchgetrocknet ist, vergehen noch etliche Wochen. In dieser Zeit dünstet da noch Abluft raus. Es mag also sinnvoll sein, ein Schwert nicht dauerhaft zum Lagern in der Scheide zu lassen. Insbesondere bei Stahlschwertern sei noch gesagt, daß diese Dämpfe (wie auch der Kleber selber) sauer sind und Stahl angreifen. Erst so nach nem halben Jahr (ca) sind die soweit verflogen.

Wer die Schwertscheide noch mit Leder oder Stoff beziehen will, kann sich das Bemalen natürlich schenken. Ums Schleifen sollte man sich da aber auch nicht drücken. ;)

Ist die Schwertscheide fertig, kann man sich an weitere Dinge wie einen passenden Schwertgurt machen. Es lohnt sich sehr, wenn das Schwert nicht mit am Leibgurt hängt. Zum einen optisch, zum anderen ist's ne Sache der Bequemlichkeit.
Beispiele dafür hab ich mittlerweile hier ergänzt.