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Erwartungshaltungen

verfasst 28.10.2010 16:33 in LARP
Als eine der wirklichen Ursachachen für Missverständnisse und damit "Hänger" im Spielflusserlebe ich immer wieder die Erwartungshaltung, die manche Larper so haben.

Was ich damit meine? Nun, der generische Typus Spieler den ich meine, erwartet daß jemand, den er im Kampf besiegt und duzenderweise mit Treffern eingedeckt hat, auch gefälligst tot ist. Hört sich auch recht logisch an, sofern man nach Punkten spielt und die Regel besagt, daß man bei 0 Punkten eben stirbt. Aber wenn man Auf nem Con ist welches als DKWDDK ausgeschrieben ist und auf dem auch noch sowas wie Opferregel angesagt ist, erscheint das fragwürdig. Mein generischer Spieler allerdings proklamiert, daß die Opferregel nicht funktioniert hätte, weil keins seiner Opfer seinen Charakter auch tatsächlich ad acta gelegt hat. Er hatte also erwartet, daß sein Gegner stirbt und wundert sich nun.

Dies ist nun erstmal ziemlich plakativ, aber mir begegnen auf wesentlich diffizilere Beispiele. Magier, die einen bestimmten Zauber wirken und nicht etwa eine Art von Zauber. Letztlich sollte es doch eigentlich egal sein, ob der Verzauberte nun angsterfüllt wegläuft, weil er die Wirkung eines Angstzaubers ausspielt, wärend der Magier eigentlich einen Feuerball hat wirken wollen. Klar könnte der Magier auch in seiner Sprachkomponente die Art der angestrebten Wirkung mit verpacken und den meisten Larpern (auch mir) würde das durchaus genügen. Aber einfacher wäre es wiederum, wenn der Magier gleich ohne Erwartung spielen würde.

Richtig interessant wird es bei Heimlichkeiten und Hinterlist. Klar ist es schwierig jemanden heimlich zu vergiften und dann noch dafür sorgen, daß Gegenüber weiß, daß er vergiftet wurde. Das ist letztlich das Gleiche wie bei Verkleidungen: Der Charakter ist ja eigentlich ein Spieler der sich verkleidet hat um seinen Charakter darzustellen. Wenn sich nun der Charakter verkleidet, dann ist dies als solches nur dann erkennbar, wenn die Verkleidung bewußt überspitzt umgesetzt wird. Eine gute Verkleidung in der Verkleidung ist also eigentlich eine schlechte. So sind Orks, die sich Stroh als Bartersatz ans Kinn binden um sich als Zwerg zu verkleiden OT von jedem sehr gut als das wahrnehmbar was sie sind. Aber praktisch überlassen sie jedem selbst die Entscheidung, ob man auf die Verkleidung hereinfallen will oder ob man sie durchschaut. Ein Attentäter, der jemandem (am besten noch OT) mitteilt, daß er gerade vergiftet wurde, zwingt aber dem Betroffenen seine Erwartung auf.

Sind Erwartungen und damit verbundenes Spiel aber aufgezwungen, findet kein gleichberechtigtes Spiel mehr statt denn der Agierende zieht seinen Spaß auf Kosten des Betroffenen, dessen Spielfreude im gleichen Maß getrübt wird. Eine klassische Situation die potentiell zu noch mehr Ärger über- und miteinander führen wird.

Klar kostet es erstmal Überwindung, die gewohnten Denkmuster zu verlassen und die eigene Erwartungshaltung aufzugeben. Aber der Lohn wird ein besseres Miteinander sein.