Die hier beschriebene Technik gibt es im Netz noch an vielen weiteren Stellen beschrieben. Teil mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Tipps. Eine Suche nach den Stichworten Linothorax + Schwertscheide lohnt also.
Vorbereitungen:
Wie schon gesagt, das Ganze ist ziemlich einfach (nicht wesentlich anders als Pappmaché wie früher im Kindergarten). Man braucht nur wenig an Material und Werkzeug. Aber erst die gesamte Anleitung lesen und verstehen, dann erst Material kaufen und los legen. ;)
Material:
- ca 1m Stoff (billigster Baumwoll Stoff ausm Ikea. evtl nimmt man auch Stoff, der in der Grundfarbe dem Endprodukt nahe kommt)
- ca 750g Holzleim (ideal ist wasserfester - außer man will ein Stahlschwert einpacken)
- Acrylfarbe in der Farbe, welche die Scheide letztlich haben soll (man kann alternativ auch mit Leder beziehen, dann entfällt die Farbe und man braucht dünnes Leder wie Polster-/Möbelleder statt dessen)
- Paketband oder anderes Klebeband - möglichst breit
- Zeitungspapier
- optional: Filzmatte oder dicker Wollstoff (braucht man nur, wenn man ein Futter machen will. Bei Stahlwaffen ist das empfehlenswert. Bei Larpwaffen trägt das aber auf. Da diese Schwerter aschon von sich aus sehr dicke Klingen haben, wird die Schwertscheide mit sowas sehr dick. Öl - bei Stahlwaffen - oder Silikonspray - bei Larpwaffen - wird vom Filz aber gut aufgenommen.)
Werkzeug:
- Pinsel (einfache Chinaborstenpinsel ausm Baumarkt)
- Schere
- Kreide, in einer Farbe, die man auf dem Stoff sehen kann (bei hellem Stoff tuts auch ein Bleistift)
- Sandpapier oder ähnliches Schleifmittel
- Cutter-Messer
- Bastelschürze o.ä. (Empfehlung)
Schritt 1: Einwickeln & Tapen

In diesem Schritt ist es wichtig, irgendwelche Aussparungen und Kerbungen zu stopfen. Nirgends darf irgend ein Bereich der Klinge schmaler sein al alles was in Richtung Spitze noch kommt. Einfach kleinere Fetzen Papier zusammenknüllen und in solche Aussparungen stopfen.
Dabei auch das Parier, den Griff und den Knauf mit einwickeln. Das gesammte Schwert soll letztlich abgedeckt werden, auch wenn man natürlich im Griffbereich nur abdecken und nicht in vielen Schichten wickeln muß.

Man sollte besonders darauf achten, daß keinerlei Öffnungen bleiben, durch die der Leim an das Zeitungspapier gelangen kann. Außerdem sollte man Falten im Tape gering halten. Insbesondere Quer verlaufende Rillen und Falten machen das Entfernen des Zeitung-Tape Polsters hinterher schwerer.

Schritt 2: Stoff zurecht machen
Wer ein Futter machen will, für den wäre jetzt der rechte Zeitpunkt (alle anderen überspringen diesen Teilabschnitt). Man nimmt das Futtermaterial und legt es Stoß an Stoß um die Klinge. Und zwar so, daß das Material anliegt (also nicht schlabbert) aber nicht zu straff sitzt (also noch Locker aufliegt). Es macht Sinn, mit ein paar ganz groben Stichen die Stöße aneinanderzunähen. Muß nicht vollständig und auch keineswegs formschön sein. Nur so, daß es selbstständig hält. Die Nahtstelle sollte dabei am Besten über dem Blatt der Klinge liegen, nicht über der Schneide.



Auf diese Weise sollte man etwa 6-8 solcher Streifen machen. Wer eine sehr biegsame Schwertscheide haben möchte macht nur etwa 4 und wer extrem hart bekommen möchte, der macht 10-12 Streifen oder sogar mehr.
Schritt 3: Kleben
Bevor man mit Kleben anfängt, sollte man sich ne Stelle suchen bzw zurechtmachen, wo man das Schwert dann nachher zum Trocknen aufhängen kann. Man kann Schlaufen um den Griff machen um daran dann an nem Haken festzubinden. Man kann, wenn das Schwert ein kräftiges Parier hat, auf einfach zwei Stangen nehmen auf die das Schwert dann auf dem Parier eingehangen wird. Wichtig ist, daß die Schwertscheide später frei hängen kann, ohne irgendwo direkt anzuliegen. Außerdem lohnt es sich, ne Dose oder Schale (irgendwas, das weg kann aber sich nicht voll saugt) unter die Aufhängung zu stellen. Die Scheide wird nämlich tropfen.
Außerdem empfehle ich, während des Klebens kurzärmelig zu tragen und ne Bastelschürze zu tragen. Man kleistert sich selbst (bzw seine Klamotten) nur zuu leicht ein und der Holzleim geht nie wieder vollständig aus dem Stoff rauszuwaschen. Aus dem gleichen Grund sollte man nicht über einem unabgedeckten Teppichboden arbeiten.






Besonders "fummelig" ist das bei der Spitze. Dort ist auch besondere Sorgfalt gefordert, daß sich möglich keine (oder wenig) Leimblasen und Stoffalten ergeben. Dies ist gewöhnlich der schwierigste Bereich.
Die nächste Stoffbahn wird wieder genau so gemacht, nur daß sie dort aufgelegt wird, wo bei der vorhergehenden Schicht die Überlappungen waren. Dadurch wird das Ganze letztlich schön gleichmäßig.
Bitte immer darauf achten, daß Falten schön glatt gestrichen werden. Wenn sich mal ne Lücke bildet, dort wo man eingeschnitten hat, dann ist das nicht so schlimm. Das gleicht sich wieder aus. Aber Falten bleiben als Unebenheiten zurück, insbesondere wenn das in den oberen bzw. DER obersten Schicht passiert.

(Man sieht hier recht deutlich, daß ich am Scheidenmund hier noch etwas zusätzlich angebaut habe. Nur im oberen Bereich ein paar zusätzliche Schichten um gezielt eine Verdickung zu schaffen. Die ist natürlich optional und dient in diesem Fall als spätere Hilfe um dem Schwertgurt nen Stopper zu ermöglichen. Bei einem sich verjüngenden Schwert braucht man sowas nicht unbedingt. Es lohnt sich also, sein Projekt im Vorfeld komplett zu durchdenken. Auch im Hinblick, wie man seine Schwertscheide dann nachher tragen will.)
Und nun zum Trocknen aufhängen.
Schritt 4: Nachbearbeitung


Man kann aber bereits die Unebenheiten der obersten Schicht erkennen. Insbesondere dort wo die Überlappungen enden. Aber eben auch dort, wo man vorher unsauber gearbeitet hat (das passiert auch den Besten mitunter).



Wenn man alles schön glatt geschmirgelt hat, streicht man nochmals alles mit dem Holzleim ein und läßt das Ganze dann wieder trocknen lassen. Man sollte bei diesem Trocknen darauf achten, daß sich keine Laufnasem im Leim bilden. Sollte das passieren, dann streicht man mit nassem Pinsel (wässrig-nass, nicht leim-nass) über die Stelle so daß sich die Nase verstreicht. Nach 1-2 Stunden ist die Oberfläche aber bereits angedickt genug, daß sich keine neuen Nasen bilden.
Spätestens nach der dritten oder vierten Wiederholung (bei denen man dann nicht mehr schleifen muß, außer man hat doch Laufnasen, die man übersehen hat) ist die Oberfläche dann glatt. Alle Rillen und Texturen vom Stoff sind überdeckt.
Man sollte der Schwertscheide im Insgesamten deutlich Zeit geben, bevor man das Schwert rauszieht. So 10 Tage bis 2 Wochen ist ein guter Wert. Länger kann man (insbesondere wenns eine sehr gerade, sich nicht verjüngende Klinge ist oder wenn man mehr Schichten geklebt hat), kürzer sollte man nicht. Auch nach zwei Wochen ist die Scheide im Inneren nicht durchgetrocknet. Sie ist dann nur fest genug, daß man nicht alles zerstört.
Das ziehen macht sich am Besten, wenn man das Tape und die Zeitung am Griff vorsichtig aufschneidet. Man muß nur etwas darauf achten, daß man nicht ins Schwert selber reichschneidet oder sticht. Und man sollte Längs schneiden und das Papier-Tape Zeug so intakt wie möglich lassen. Man kekommt so das Schwert aus dem Zeitungspapier gezogen, während dieses noch in der Scheide drin ist. Das überstehende Material, welches vorher am Griff war, braucht man um den Rest danach auch raus ziehen zu können.
Mitunter bekommt man die eingetapte Zeitung noch nicht gleich raus, weil der Leim innen eben noch zu nass ist. Man nimmt aber Druck raus, wenn das Schwert nicht mehr da ist. Und man kann dann mit nem langen flachen Stab (nicht grad aus Holz wegen dem Holzleim) zwischen das Tape und die Scheide zu gehen um beides besser zu trennen. Aber wenns noch nicht rausgeht, laß die Scheide einfach noch ein paar Tage länger trocken. Irgendwann gehts dann.


Hauptsache man bekommt eine einheitliche glatte Schnittkante. Diese wird zunächst ebenfalls abgeschliffen. Besonders an den Ecken sollte entgratet werden. Dann greift man ein letztes Mal zum Leimpinsel und taucht nur die Pinselspitze in den Leim und tupft den dann auf die Kannte am Scheidenmund auf, so daß sich nach dem Trocknen hier wieder eine glatte Oberfläche bildet. Man sollte dabei darauf achten, daß kein Leim außen auf der Scheide oder innen runterläuft (notfalls sofort wegwischen).


Nachdem die Farbe fertig ist, ist die Schwertscheide an sich fertig. ABER: bis der Leim tief im Inneren durchgetrocknet ist, vergehen noch etliche Wochen. In dieser Zeit dünstet da noch Abluft raus. Es mag also sinnvoll sein, ein Schwert nicht dauerhaft zum Lagern in der Scheide zu lassen. Insbesondere bei Stahlschwertern sei noch gesagt, daß diese Dämpfe (wie auch der Kleber selber) sauer sind und Stahl angreifen. Erst so nach nem halben Jahr (ca) sind die soweit verflogen.
Wer die Schwertscheide noch mit Leder oder Stoff beziehen will, kann sich das Bemalen natürlich schenken. Ums Schleifen sollte man sich da aber auch nicht drücken. ;)
Edit:
Ist die Schwertscheide fertig, kann man sich an weitere Dinge wie einen passenden Schwertgurt machen. Es lohnt sich sehr, wenn das Schwert nicht mit am Leibgurt hängt. Zum einen optisch, zum anderen ist's ne Sache der Bequemlichkeit.
Beispiele dafür hab ich mittlerweile hier ergänzt.
Mittlerweile mache ich das Kleben (Schritt 3) auch nicht mehr am Stück. Immer nur eine Schicht kleben und dann nen Tag Trocknen lassen, hilft enorm beim Durchtrocknen. Man bekommt das Schwert viel besser raus und die Scheide ist schneller fest.